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Nachhaltigkeit hat viele Facetten

Nachhaltigkeit hat viele Facetten

Wenn ein Unternehmen zwischen 6  000 und 8  000 Hebezeuge pro Jahr produziert, müssen die innerbetrieblichen Abläufe wie ein Zahnrad in das andere greifen. Dies gelingt der J.D. Neuhaus GmbH & Co. KG mithilfe von modernen Produktionsmethoden, in deren Fokus neben der Sicherstellung von hohen Qualitätsstandards die Erfüllung von Nachhaltigkeitsaspekten über die Produktion hinaus steht.

Rückgrat der kompletten Produktionskette bei J.D. Neuhaus in Witten-Heven ist das Toyota-Produktionssystem

Ein Drucklufthebezeug der Baureihe Mini besteht aus ca. 200 Einzelteilen, von denen die 160 Mitarbeiter der J.D. Neuhaus GmbH & Co. KG am Stammsitz in Witten-Heven etwa 70 Prozent selbst fertigen. Daraus kann man ermessen, welche Bedeutung einem effektiven produktionsinternen Materialfluss zuteil wird. Rückgrat der kompletten Produktionskette auf dem 27  000 m² großen Werksgelände in Witten-Heven ist das Toyota-Produktionssystem. Methoden und Prinzipien wie Lean Management, just in time oder das Pull-Prinzip legen die Basis dafür, qualitativ hochwertige Hebezeuge herzustellen. Das Pull-Prinzip schafft die Voraussetzungen dafür, mit der Produktion eines Hebezeugs erst dann zu beginnen, wenn der Kunde dieses tatsächlich bestellt.

„Generell gilt in all unserem unternehmerischen Handeln: ­Verliere nie Aspekte der Nachhaltigkeit aus dem Blick. Wenn wir in der Unternehmensgruppe von Nachhaltigkeit sprechen, dann ­reden wir davon, Verschwendung zu vermeiden. Verschwendung verursacht nicht nur unnötige Kosten, sie ist auch umweltschädlich und bringt dem Anwender keinen Nutzen“, so Wilfried Neuhaus-Galladé, geschäftsführender Gesellschafter der J.D. Neuhaus GmbH & Co. KG.

Eine nachhaltige Produktion setzt akkurat definierte und ablaufende Prozesse voraus. Informationen sowie Teile müssen immer zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Qualität und Menge am vorgeschriebenen Ort sein. So lassen sich Bestände reduzieren und unnötige innerbetriebliche Transporte von Teilen verringern. Mit dieser Herangehensweise konnte das Unternehmen z.  B. den Weg, den Bauteile auf dem Werksgelände zurücklegen, bis aus ihnen in der Fertigung ein Endprodukt entstanden ist, um mehr als 90 Prozent reduzieren. Darüber hinaus lässt sich eine Überproduktion vermeiden.

Die in den zurückliegenden Jahren realisierten Maßnahmen haben sich ferner positiv auf die Auftragsdurchlaufzeiten ausgewirkt. Als Beispiel nennt Neuhaus-Galladé ein komplexer auf-gebautes Hebezeug der Profi-Baureihe im mittleren Tragfähigkeitssegment: „Vergingen vor zehn Jahren bis zu dessen Auslieferung durchschnittlich mehrere Wochen, so beträgt die Auftragsdurchlaufzeit für ein derartiges Hebezeug heute dagegen nur noch einige Tage.“

Kontinuität in Sachen Verbesserungen der Prozessqualität gefragt

Die Versorgung der Fertigungsstationen geschieht per Routenzug

Doch derartige Erfolge stellen sich nicht von selbst ein. Gemäß der Kaizen-Philosophie wird an einer dauerhaften und vor allem schrittweisen Perfektionierung der JDN-Abläufe gearbeitet. Ein integriertes Managementsystem (IMS) verknüpft alle Prozesse von der Planung und Konstruktion über die Fertigung bis hin zum Service. Die IMS-Bestandteile Qualitäts- und Umweltmanagement werden regel­mäßig zertifiziert und erfüllen die Vorgaben der internationalen ­Normen DIN EN ISO 9001 (Qualität) und ISO 14001 (Umwelt). Beispielhaft für den Qualitätsgedanken bei dem Hebezeughersteller ist das Wirken des QIP-Teams. Dabei steht die Abkürzung QIP für das Prinzip „Qualität im Prozess“. Eine abteilungsübergreifende Arbeitsgruppe verfolgt das Ziel, Fehler in Prozessen zu erkennen, zu beschreiben und die Ursache zu beseitigen, um so die Fehlerrate dauerhaft zu senken. Das Ergebnis wird anschließend dokumentiert und für alle Mitarbeiter sichtbar kommuniziert.

Seit Anfang dieses Jahres sorgen fahrerlose Transportfahrzeuge für eine noch bedarfsgerechtere Nachschubversorgung der Fertigungsstationen

Voraussetzung für die Vermeidung von Verschwendung ist auch die enge Einbindung der ca. 100 Zulieferer in das JDN-Produktionssystem. J.D. Neuhaus ist nicht nur bedacht, Zulieferer früh in den Entwicklungsprozess von Innovationen einzubinden, sondern auch Lieferanten auszuwählen, die dem langfristigen Qualitätsanspruch des Wittener Hebezeug-Herstellers gerecht werden. Die Belieferung erfolgt just in time. Produktionskritische Bauteile werden im firmeneigenen Hoch­regallager bevorratet und aus diesem in den Kanban-Kreislauf eingesteuert. Die Versorgung der Fertigungsstationen geschieht dabei per Routenzug und seit Anfang des Jahres 2020 auch mit­hilfe eines fahrerlosen Transportsystems. Die fahrerlosen Transportfahrzeuge ermöglichen eine noch bedarfsgerechtere Nachschubversorgung.

Zur Aufdeckung von Verbesserungsmöglichkeiten in den Abläufen nutzt das Unternehmen „plan-do-check-adjust“ (PDCA). Gemäß diesem Arbeitsprinzip der kontinuierlichen Verbesserung lässt sich nach den Ursachen forschen, warum sich erhoffte Ergebnisse nicht wie gewünscht eingestellt haben. Auf Basis der langjährigen Anwendung zeigt sich mit Blick auf die Produktionsprozesse: Weitere Verbesserungen sind nur dann möglich, wenn die Mitarbeiter selbst, und zwar aus Produktion und Management, dazu in die Lage versetzt werden, ihre Aufgaben auch besser zu machen. Hierzu dient u.  a. die tägliche „9 Uhr Runde“. An Steuerungsboards werden alle neuen Aufträge besprochen und dementsprechend in die ­Prozesse eingeplant. Mithilfe eines Rollingplans lässt sich genau nachvollziehen, wann der Liefertermin sein wird. Vor allem die Überschneidung der einzelnen Kompetenzbereiche ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung. Jede Abteilung verfügt über ihr ­eigenes Steuerungsboard, in das die Aufgaben bzw. Aufträge unter Zuhilfenahme des PDCA-Kreises eingearbeitet werden. Somit lässt sich auf einen Blick auf den Steuerungstafeln nachvollziehen, ­welchen Status der jeweilige Auftrag hat.

Umwelteinfluss möglichst gering halten

“Wenn wir in der Unternehmensgruppe von Nachhaltigkeit sprechen, dann ­reden wir davon, Verschwendung zu vermeiden“, so Wilfried Neuhaus-Galladé, geschäftsführender Gesellschafter der J.D. Neuhaus GmbH & Co. KG

Darüber hinaus genießt aber auch der schonende Umgang mit den Ressourcen wie Strom und Wasser in den Überlegungen einen ­hohen Stellenwert. Neuhaus-Galladé: „Auch diesbezüglich streben wir nach einem möglichst verschwendungsfreien Einsatz.“

So sind drei von fünf Produktionshallen auf dem Werksgelände schon mit LED-Beleuchtungstechnik ausgerüstet. Mit moderner Abwassertechnik soll der Umwelteinfluss des Unternehmens ­möglichst gering gehalten werden. „Außerdem war es uns schon früh ein Anliegen, jeden Baum auf unserem Firmengelände in ein Kataster einzutragen. Sollte es einmal erforderlich sein, dass ein Baum auf dem Gelände weichen muss, verpflichten wir uns, einen neuen Baum anzupflanzen“, so Neuhaus-Galladé.

In den Kontext Nachhaltigkeit einzuordnen ist im Zeitalter der Digitalisierung sicherlich auch das Thema Videokonferenzen. Durch Nutzung der entsprechenden Technik ließ sich der CO2-­Fußabdruck deutlich verkleinern.

F+H BEGLEITET J.D. NEUHAUS-JUBILÄUM

Das Unternehmen J.D. Neuhaus kann auf eine lange Historie zurückblicken. Dem Anlass angemessen begleitet die Redaktion unserer Schwesterzeitschrift f+h das Jubiläum über das Jahr. In der aktuellen Ausgabe beschreiben wir die Infrastruktur am Standort Witten und legen den Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit. In der nächsten Ausgabe widmen wir uns dann dem Status quo der Produktentwicklung.

Bildquelle: J.D. Neuhaus

Autor: Winfried Bauer, Chefredakteur unserer Schwesterzeitschrift f+h

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Veröffentlicht von

Martina Laun

Wenn es mir gelingt, mit den von mir ausgewählten technischen Informationen Betriebsleiter bei ihrer Arbeit zu unterstützen, ist meine Mission erfüllt.